Zauberpflanzen: Vom Zauber der Pflanzen - einst und heute
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Bart des Jupiter, Dachlauch, Donnersbart, Donnerwurz, Hauswurz, Steinrose
Semper = immer, vivus = lebend - also sind die Freilandsukkulenten Semperviven (im deutschen Sprachgebrauch die Pluralbildung, korrekt eigentlich Semperviva), eine Gattung in der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) "die ewig Lebenden". Der englische Name "hen-and-chicks" beschreibt zutreffend, wie diese Pflanze sich vermehrt - durch Stolonen, Ableger. Karl der Große hat in seiner Landgüterverordnung (Capitulare de villis) sozusagen befohlen, gewisse Pflanzen anzupflanzen. "Ein Kaiser ernährt sein Volk" hieß es. Er lieferte mit dieser Verordnung zum ersten Mal eine genaue Übersicht dessen, was an Heil- Nahrungs- und Gewürzpflanzen zu dieser Zeit bekannt war. Zu den verordneten Pflanzen gehörte auch die Hauswurz (Sempervivum tectorum L. ) die zum Schutz vor Blitzschlag auf jedes Dach zu pflanzen war! Und so bildet seit Jahrtausenden die Hauswurz dichte Polster auf Torbögen, Mauerpfosten, Dächern und Scheunen. Man muß die feine Naturbeobachtung unserer Vorfahren bewundern, die ohne wissenschaftliche Vorbildung, ohne Labor und Instrumente aus den ihnen verfügbaren natürlichen Hilfsmitteln die richtigen auswählten. Das Büschel fein zugespitzter Drähte des modernen Blitzableiters ist nämlich unter dem Mikroskop genau betrachtet der Blattrosette mit ihre spitzen Enden nachgeahmt. So habe ich es jedenfalls sinngemäß gelesen in dem Buch von Willfort, Richard, Gesundheit durch Heilkräuter. Verstärken ließ sich die blitzabwehrende Wirkung, wenn
beim Herannahen eines Gewitters Hauswurzrosetten im Herdfeuer verbrannt
wurden. Allerdings mußten diese am Johannistag vom Dach gepflückt
worden sein. In Süddeutschland hängte man sie auch in den Schornstein,
damit die Hexen nicht hineinfahren konnten. "Er hat abhauen müssen,
hat die Dachwurz vom Dach gerissen" hieß es, wenn jemand Haus und
Hof verlor.
Als Orakel diente die Hauswurzblüte früher ebenfalls. War
sie rötlich, konnten freudige Ereignisse erwartet werden, schneeweiße
Blüten bedeuteten den baldigen Tod eines Angehörigen.
Die Gattung der Sempervivum-Pflanzen - die nicht umsonst oft als „Polsterkissen“ bezeichnet werden, bieten vielfältige Rosettenformen. Arten und Sorten stammen meist aus dem Mittelmeerraum, den Alpen und Vorderasien. Jede einzelne Rosette ist ein Juwel. Es gibt viele Farben (grüne, rote, braune, die Spitzen können andersfarbig sein) und Größen (von 7 mm bis zu 10 cm je Rosette), polsterbildende, rasig-, teppich- oder buschig wachsende Frühljahrs-, Sommer- oder Herbstblüher. Ob im Steingarten (in idealer Nachbarschaft mit Sedum-Arten, Steinbrech und Freilandkakteen und Enzian gepflanzt) oder als Beetrand oder im Kübel auf dem Balkon, im Erdbeertopf, ja sogar in alten ausgedienten Gefäßen wie Küchensieben, Kermaik-Seifenschalen oder Schuhen (!!) - immer sehen die anspruchslosen Pflanzen dekorativ aus. Stellen Sie doch einmal mehrere verschieden große Kübel ineinander, sodaß jeweils ein Rand bleibt und bieten diesen dekorativen Platz den Wurzen an. Sinnesfreudigen Gärtnern können Dachwurzen sogar ein Tasterlebnis vermitteln (spitze Ränder, weiche Oberfläche bei den bei behaarten oder mit spinnwebartigen Fäden umsponnenen Sorten). Zur Blütezeit finden sich Hummeln ein - ein Hörerlebnis. So ist diese kleine unscheinbare Pflanze ein Ansprechpartner gleich für mehrere unser Sinne. Die Pflanze braucht volle Sonne und sollte niemals nasse Füße bekommen - Nässe nimmt sie übel und so ist sie in besonders regenreichen Wintern dann auch schon mal nicht "immerlebend"...Wichtig sind deshalb Abzugslöcher in allen benutzten Gefäßen.
Semperviven in meinem GartenSemperviven fotografiert auf Reisen
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